Die diatonische Geige
in der Praxis

Jeder Schüler ist anders. Jeder Lehrer auch.

Und das wesentliche, das einen guten Unterricht ausmacht, liegt im zwischenmenschlichen Bereich.

Die diatonische Geige beschränkt sich daher auf das Anbieten von Spielliteratur, und lässt die wichtigsten Aspekte des Unterrichtens dort, wo sie hingehören, in der persönlichen Begegnung von Schüler und Lehrer. Die Anordnung des Materials ist geeignet, die allgemeine Musiktheorie anhand der Geige zu lernen bzw. nachvollziehbar zu machen und ermuntert damit den Lehrer, diese vom Anfang an in den Unterricht einzubeziehen. Ob, in welchem Umfang und mit welchem wording im Unterricht darauf eingegangen wird, entscheidet der Lehrer.

Gleichzeitig erfolgt der Aufbau des Tonraumes so, dass er grifftechnisch praktikabel und gehörsmäßig gut zu erfassen ist. Das ermöglicht, auf vorhandene Erfahrung mit relativer Gehörbildung aufzubauen oder geigenspezifisch Gehörbildung zu betreiben. Aber auch wenn auf diese Aspekte nicht bewusst eingegangen wird, wird diese Anordnung ihre Wirkung entfalten.

Die diatonische Geige realisiert diesen durchdachten Aufbau mit authentischer Musik.

Auch nichtelementare Spieltechniken wie Flageoletts, Linkspizzikato etc, die aus verschiedenen Gründen Eingang in die elementare Geigenpädagogik gefunden haben, werden berücksichtigt. Strichübungen anhand von Tonleiter(ausschnitten) und Doppelgriffe kommen regelmäßig vor.

Auch das Lagenspiel wird von Anfang an auf eine Weise integriert, dass es den Aufbau des Griffsystems nicht stört.

Diasthematischer Übersichtsplan

Üblicherweise werden Geigenschulen…

Geigentechnik (GT)

Technik (Pflicht)

Analytisch, experimentell, spielerisch

Gehörbildung, relatives Notensystem (Solmisation)

Nach Gehör/nach Handzeichen/ auswendig spielen

Geigenmusik (GM)

Musik (Kür)

Ganzheitlich, ergebnisorientiert

Notenlehre, absolutes Notensystem

Spielen nach Noten, Noten(namen) lesen

Geigentheorie (GTh)

Theorie

Arbeitsbuch

absolutes Notensystem (eventuell umwandeln)

Noten lesen und schreiben, selbstgeschriebene Noten spielen

„GT 0“ (am Beginn von GM 1a)

GM 1a

GTh 1“ (in GM 1a und GM 1b integriert)

Leere Saiten, Doppeltöne, Flageolett

(keine Solmisation)

Leere Saiten

e‘‘, a‘, d‘, g

allgemeine Theorie: Notenkunde

Lesen der Stammtöne (bei # => „-is“)

Geigenspezifische Theorie: Fingersatz

(„Griffart“ ist nicht notwendig, da keine Halbtöne gegriffen werden)

GT 1

1. und (hoher) 2. Finger auf d- und a-Saite

fis‘, h‘, cis‘‘, e‘

Pentatonische Tonräume auf d und a, Do=0

Leere Saiten, Doppeltöne, Flageolett

(keine Solmisation)

Der pentatonische Tonraum So, bis La wird in folgender Reihenfolge aufgebaut:

So-Mi-Do-La-Re-So,-La,

Er kann auf Do=0und Do=1 gespielt werden. (Die fehlenden Töne Fa und Ti, werden wegen des Saitenwechsels nicht vermisst.

(Auch Do=2 ist so noch möglich, allerdings ist der 4. Finger nicht gleich mit der leeren Saite)

Durch Hinzufügen von Ti, (als 3. Finger bei Do=0) entsteht der Tonraum So,-La,-Ti,-Do-Re-Mi.

Der gleiche Tonraum kann auch als Do-Re-Mi-Fa-So-La gedeutet werden. (Fa als leere Saite bei Do=1)

GM 1b

Schreibaufgaben: Ergänzen in transponierten Stücken (Quint, Oktav)

1. und (hoher) 2. Finger auf allen Saiten.

h, fis‘‘, a, gis‘‘

Pentatonische Tonräume auf g, d, a und e, Do=0

(Hoher) 3. Finger auf g-, d- und a-Saite dazu.

cis‘, gis‘, dis‘‘

Diatonische Tonräume auf d, a und e (So,-Mi bei Do=0) und auf a, e und h (Do-La bei Do=1).

4. Finger

# steht in der Oktav, in der die entsprechenden Töne vorkommen

GT 2

GM 2

GTh 2 (als eigenes Arbeitsheft)

Zwei- und dreisaitige diatonische Tonreihen (notiert in Solmisationssilben), mit dem dazugehörige Griffbild

Zweisaitige Tonreihen umfassen vom 1. Finger bis zum 4. Finger der höheren Saite eine Oktav.

Level 2: Do-Do‘

Level 4: So,-So

Level 6: Re-Re‘

Level 8: La,-La

Level 10: Mi-Mi‘

Level 12: Ti,-Ti

Level 14: Fa-Fa‘

Dreisaitige Tonreihen umfassen vom 1. Finger bis zum 4. Finger der übernächsten Saite eine Duodezim.

Level 16: Do-So‘

Level 18: So,-Re‘

Level 20: Re-La‘

Level 22: La,-Mi‘

Level 24: Mi-Ti‘

Level 26: Ti,-Fa‘

Level 28: Fa,-Do‘

Die Tonreihen können in jeder beliebigen Lage gespielt werden.

Viele der Beispiele

·mit anderen Fingersätzen (in anderer Lage)

·mit Lagenwechseln (Rutschübungen)

Doppelgriff- und Bariolagereihen unter Einbeziehung der leeren Saite (wenn das Griffmuster in der 1. Lage gespielt wird)

Miteinbeziehung von Flageoletts (wenn das Griffmuster in der 1. Lage gespielt wird)

Levels: 2, 4, 6, 8, 10, 12

Levels: 16, 18, 20, 22, 24

Alle Levels

E –Dur (ohne g-Saite), A-, D-, G- und C-Dur (auf allen Saiten)

anhand von sechs zweisaitigen Griffbildern (gegen den Uhrzeigersinn im Quintenzirkel)

# in entsprechender Oktav

Tonleiterübungen über den ganzen jeweiligen Tonvorrat mit Rhythmisierungen und Stricharten.

(Einfaches) Lagenspiel auf einer Saite

Modulation/Alterationen (nur #)

Notenkunde:

genaues Notenlesen anhand der Generalvorzeichnung

Griffart“ anhand der Grafiken Griffbild im Notenbild

Oktavierungen

Auflöser

GM 3

GTh 3 (als eigenes Arbeitsheft)

Der gleiche Tonvorrat anhand von fünf dreisaitigen Griffbildern (im Uhrzeigersinn im Quintenzirkel) in der 1. Lage und in 2., 3. und/oder 4. Lage (bevorzugt werden die Lagen, die einen stabilen Rahmen aus 1. und 4. Finger bilden.

Tonarten (Dur und paralleles moll) werden anhand von Tonleitern und Dreiklängen erarbeitet

Einfache Modulationen, Alterationen, Chromatik

nach unten gestreckter 1. Finger, ganz hoher 1. Finger, gestreckter 4. Finger, halbe Lage.

Grifftechnische Erweiterungen: nach unten gestreckter 1. Finger, ganz hoher 1. Finger, gestreckter 4. Finger, halbe Lage.

Standard-Generalvorzeichnung. Zusätzliche graue # auf Höhe weiterer vorkommender Oktaven

Transpositionen: in Nachbartonarten, weiter weg (Transposition als Übertragung der Solmisation)

Tonarten, Quintenzirkel

Tonleitern und Dreiklänge:

Dur und moll (auch dorisch und phrygisch) als Modi des gleichen Tonvorrates (gleiches Do)

harmonisch/melodisch moll

Intervalle (Feinbestimmung nicht „über die Saiten)

GM 4

GTh 4 (als eigenes Arbeitsheft)

F-, B- und Es-Dur

In zwei- und dreisaitigen Griffbilder (gegen den Uhrzeigersinn im Quintenzirkel) in der 1. Lage und in 2., 3. und /oder 4. Lage.

Tonleitern, Dreiklänge, Alterationen analog zu GM 2b

Standard-Generalvorzeichnung, in entsprechenden Lagen grau ergänzt.

Neues Vorzeichen: „b“

Die gleichen Inhalte wie GM 3, in den „b“-Tonarten

GT 3

GM 5

GTh 5 (als eigenes Arbeitsheft)

Umfangreichere Tonreihen und Sequenzübungen, teilweise mit Lagenwechseln, Doppelgriffreihen

#-Tonarten

erweiterte Modulationen, Alterationen, Chromatik, gleichnamiges moll, erweiterte Tonalität, ##,

1. bis 5. Lage,

verschiedene Arten von Lagenwechsel

Standard Notenschrift

Gleichnamiges moll, Septakkorde

Übermäßige und verminderte Intervalle, Feinbestimmung für alle Intervalle

GM 6

GTh 6 (als eigenes Arbeitsheft)

„b“-Tonarten

Inhalte analog zu GM 5

Die gleichen Inhalte wie GM 5, in den „b“-Tonarten

Geigenmusik 1 (GM 1)

Die diatonische Geige ist gedacht für sehr kleine Kinder, die noch nicht lesen und schreiben können, für die gewisse analytische Zugänge, die erst in der Schule gelernt werden, noch fremd sind und für die Text und Melodie noch eine mit dem Ohr gehörte Einheit sind, die sie sich mühelos merken können. Deshalb sind (fast) alle Lieder mit Text und der Großteil davon in singbarer Lage, also auf d- und a-Saite, so dass sie auch mit der Geige mitgesungen werden können. Auch Tonhöhen und Rhythmus werden noch gemeinsam wahrgenommen. Erst mit dem Bewusstwerden der eindeutigen Rollenverteilung für die beiden Hände beim Geige spielen bricht diese Einheit auf.

GM 1 ist der praktischen Handhabung halber in zwei Teile (GM 1a und GM 1b) geteilt. Sie bilden aber eine durchgehende Einheit mit fortlaufender Seitennummerierung.

An den Anfang von GM 1a ist eine kurze Version der Geigentechnik („GT 0“)  gestellt, die der Gestaltung der ersten Geigenstunden und zum Erfinden von Einspielübungen dient. Damit kann man sich auch ein ungefähres Bild von GT 1 machen.

Am Anfang wird die ganze Aufmerksamkeit auf die Tonerzeugung gelenkt und es wird auch gleich auf die Möglichkeit des Flageoletts zur Stabilisierung des Bogens hingewiesen.

Die Tonhöhen (die leeren Saiten) wechseln nur taktweise.

   

Duos führen behutsam in die rhythmische Unabhängigkeit. Dabei findet die Rhythmussprache Yatapam Verwendung. 

Die Anforderungen an die Greiffinger werden zugunsten der Aufgaben für den Bogen (Rhythmus und Stricharten) vorerst vergleichsweise geringgehalten. Während für einen längeren Zeitraum nur mit 1. und 2. Finger gegriffen wird, gibt es für die restlichen Finger andere Aufgaben: für den 3. Finger das Linkspizzikato und für den 4. Finger das Flageolett. Leichte Doppelgriffe sind von Anfang an dabei.  

Unterbrochener Strich (portato) als Vorbereitung der Halbenote.

 

Notenwerte, länger als Viertel, werden traditionell mitgezählt.

 

„Noten ergänzen“

„Auswendig fertig spielen“.

„In durchgehenden Achteln spielen“

Bekannte Kinderlieder

In GM 1b kommen 1. und 2. Finger auf g- und e-Saite dazu. Alle Features kommen weiterhin vor.

 

Dann kommt der 3. Finger mit großem Abstand zum 2. Finger. Das bedeutet, dass man sich weiterhin noch keine Gedanken über engen oder weiten Fingerabstand machen muss. Man muss nur den Fingersatz erkennen und sich darauf konzentrieren, sauber zu spielen.

Erst mit dem 4. Finger kommt der enge Fingerabstand.

Der große Umfang von GM 1 rührt einerseits daher, dass jeder (kognitive, gehörsmäßige oder physiologische) Schritt oft mit mehreren Beispielen adressiert wird. Ein weiterer Grund ist auch, dass alle Töne in möglichst vielen Funktionen, also etwa e‘ als Re, La, So, oder Do vorkommen. (Wenn nicht solmisiert wird, fällt diese Verschiedenartigkeit weg.) Das ergibt einerseits eine Reserve bei langsamer Lerngeschwindigkeit (sei sie nun reifebedingt oder geringerem Talent oder Engagement geschuldet), gibt aber andererseits dem Schüler Wahlmöglichkeiten und dem Lehrer Abwechslung.

GM 1 hat aber auch eine hohe inhaltliche Dichte. Durch Aufgabenstellungen wie „auswendig fertig spielen“ oder „ergänzen von fehlenden Noten“ beim Wiederholen von Stücken in anderen Tonlagen oder „spielen in durchgehenden Achteln“ können viele Aspekte einer umfassenden musikalischen (Aus-)bildung grundgelegt werden. Dazu kommen von Anfang an Doppeltöne, Flageoletts und Linkspizzikato, sowie Geschicklichkeits- (Unabhängigkeits-)übungen. Das alles ermöglicht es, ein breites und tiefes Fundament zu legen.

Ziel von GM 1 ist es, die oft lange Durststrecke vom Verblassen der Anfangseuphorie bis zum ersten Weihnachtslied mit Inhalten zu füllen, die mehr sind als Bogenhalteübungen und Durchhalteparolen.

Viele, besonders die älteren Schüler, werden nicht alle Stücke brauchen, aber immer, wenn Schwierigkeiten auftauchen, ist genügend Reserve vorhanden, um an der Stelle bleiben zu können, um sich der Herausforderung zu stellen.

Die allgemeine Theorie beschränkt sich auf den richtigen Notennamen, wobei das Vorzeichen in der „richtigen“ Zeile hilft, den Zusammenhang zwischen # und „-is“ im Notennamen zu erkennen. Die geigenspezifische Theorie umfasst nur den Fingersatz. (Eine Griffart gibt es ja noch nicht.)

Der Aufbau des Tonvorrats erfolgt mit konsequenter Berücksichtigung der tonalen Funktionalität. Das ermöglicht Schülern mit praktischer Erfahrung in relativer Solmisation, ihre erworbenen Kenntnisse einzusetzen. Solmisation ist aber keine Voraussetzung für die Benützung der diatonischen Geige und es finden sich in der Geigenmusik auch keine Hinweise darauf. Dieser Aufbau entfaltet auch ohne bewusste Bezugnahme, seine Wirkung.

Wenn man auf die relative Solmisation keinen Bezug nimmt, kann man den Abschnitt ab Einführung des 3. Fingers (S 65-79) stark kürzen. Der große Umfang dieses Abschnitts ist begründet durch die doppelte Deutung dieser drei Tonräume.

Wenn es, aus welchen Gründen auch immer, nicht angezeigt ist, mit dem hohen 3. Finger zu beginnen (3. Griffart), wird man nach S 64 gleich zur GM 2 springen. Die verschiedenen Möglichkeiten, GM 2 zu verwenden, werden in Geigenmusik 2 beschrieben.

Gemeinsamer Unterricht ist wichtig, doch am Anfang oft schwer umzusetzen, denn was tun mit jemandem, der noch nichts auf der Geige kann. Man wartet deshalb oft solange, bis die Schüler im Einzelunterricht genug gelernt haben, damit sie im (1.) Schulorchester mitspielen können und dann prasseln viele Eindrücke auf einmal auf sie ein. Mithilfe der diatonischen Geige ist gemeinsamer Unterricht von Anfang an möglich. Neben dem gemeinsamen Singen der Lieder aus der Geigenmusik und verschiedenen Elementen aus der musikalischen Früherziehung ist auch das gemeinsame Spielen durch den leichten Einstieg von GM 1 eine realistische Option. Bei den Leere-Saiten-Duos mit der Melodie in der Lehrerstimme ist die rhythmische Stabilität einer Gruppe gefordert.

Gemeinsam spielen heißt nicht zwingend mehrstimmig spielen. So wie ein Kinderchor einstimmig beginnt, kann auch eine Geigengruppe einstimmig beginnen. Es steht dafür das ganze Liedrepertoire von GM 1 zur Verfügung. In der Gruppe kann man auch auswendig spielen, auch das kann man vom Kinderchor lernen.

Kanons sind dann ein erster Schritt in die diasthematische Zweistimmigkeit. Das gemeinsame mehrstimmige Spiel mit den anderen Instrumenten bleibt damit vorerst etwas Besonderes. In der Geigengruppe kann man einstweilen die für ein sinnvolles Zusammenspiel von großen Gruppen wichtigen Fähigkeiten, wie Konzentration, Zuhören, saubere Intonation… lernen. Man hat das gleiche Gemeinschaftserlebnis, aber wahrscheinlich ein schöneres Resultat in einer homogenen Gruppe. Fürs Zusammenspiel gibt es keine Mindestzahl (und auch kein Mindestniveau, was nicht bedeutet, dass man keinen Anspruch haben darf.)

GEIGENMUSIK 2 (GM2)

Ziel von GM 2 ist es, den Schüler vom Weihnachtslied zu den Etüden (Pracht, Küchler, Wohlfahrt…) zu führen. Die Schüler sind jetzt mutmaßlich im Volksschulalter und können Lesen und Schreiben.

Lesen müssen sie jetzt auch zunehmend beim Geige spielen, denn die Stücke werden länger und sind nicht mehr so leicht auswendig zu merken. Das ist am Weg zum Etüden spielen wichtig, denn Etüden sind nicht nur spieltechnische, sondern insbesondere auch Leseübungen. Trotzdem sollte man nicht aufs auswendig spielen vergessen, denn hat man einmal damit aufgehört, dann ist es schwer, wieder zu beginnen.

Viele der traditionellen Etüdenbände beginnen bei C-Dur und durchwandern von dort aus den Quintenzirkel. Was für viele Instrumente leicht und natürlich ist, nämlich mit C-Dur zu beginnen, ist es auf der Geige nicht. Die Komplexität der Kombination von Tonsystem und Griffsystem macht bei C-Dur keine Ausnahme. Und das Griffbild von C-Dur ist auch nicht das leichteste, da zum einen der tiefe 1. Finger auf der e-Saite etwas unangenehm liegt, zum anderen, weil drei verschiedene „Griffarten“ gebraucht werden.

In GM 2 werden in 14 Kapiteln – ausgehend von E-Dur auf d- und a-Saite – alle zweisaitigen Griffbilder bis C- Dur durchgenommen. Ordnungsprinzip sind nicht die „Griffarten“, sondern die Tonarten. Das Griffbild ergibt sich aus der Tonart und dem Ausschnitt (z. B. d- und a-Saite) und nicht umgekehrt. Am Anfang jedes Kapitels zeigt die Graphik eine kombinierte Darstellung von Notenbild und Griffbild. In diesem Griffbild im Notenbild wird, wenn vorhanden, der Springende Finger farblich codiert und auch im Notenbild so markiert. Die Stücke sind so gewählt, dass sie die Charakteristik des Griffbildes – den Springenden Finger oder den engen Fingerabstand – exemplarisch hervorheben. Jedes Kapitel ist ein Pool von Stücken, die sich in Stil, Form und musikalischem und technischem Anspruch unterscheiden, aber alle das gleiche Griffbild haben. Ergänzend gibt es in jedem Kapitel im entsprechenden Tonumfang Tonleitern mit verschiedenen Rhythmisierungen, außerdem Doppelgriffübungen, Flageolettübungen und erste Ausflüge in die Lagen.

Wie lange man in einem Kapitel bleibt, was man davon spielt, wird von Fall zu Fall variieren. Die Reihenfolge der Kapitel ist nicht die einzig mögliche. Sie ist eher ein Vorschlag, wie die Geige erkundet werden kann. Anhand dieser „Landkarte“ lassen sich auch andere Routen erschließen. (Die Nummerierung der Griffbilder mit geraden Zahlen (z. B. Level 2) bezieht sich auf die Ordnung in GT 2.)

 

Um die richtige Verbindung zur Theorie herzustellen, aber auch um nicht allzu lange in einer „Griffart“ zu bleiben, ist es sinnvoll immer in „Nachbarkapitel“ zu wechseln und die Veränderungen anhand der Graphiken Griffbild im Notenbild zu beobachten:

Beim Wechsel des Saitenpaares bei gleichbleibender Tonart sieht man, wie sich die # in die andere Oktav verschieben. Man kann auch beobachten, dass der Halbton zwischen den gleichen Tönen, nicht aber Fingern bleibt.

Beim Wechsel der Tonart auf dem gleichen Saitenpaar sieht man die Wirkung des # für den entsprechenden Finger und damit die Tonhöhe.

Der Schüler kann die Fingerstellung vom Griffbild im Notenbild ablesen, aber bekommt auch Einblick in das System (bzw. wie die beiden Systeme verknüpft sind).

Diese strenge Einteilung in so kleine Tonumfänge bedeutet nicht, dass nicht auch Stücke über einen größeren Tonumfang gespielt werden dürfen. Aber sie ermöglicht, den Zusammenhang zwischen Notenbild und Griffweise überschaubar, eindeutig und richtig darzustellen.

Abweichend vom vorgeschlagenen Pfad, kann man Abstecher zu schon besuchten Kapiteln machen: z. B. 1-2-3-4-1-4-5

Es lassen sich aber auch Umwege mit nur kurzem Verweilen in einem Kapitel gehen: z. B. 4-5-6-7-8-3-4-7-8

Man kann das Ganze auch ohne großen Verlust abkürzen: z. B. 1-2-3-4-7-8-9. Das Fehlen von Kapitel 5 und 6 wird keine bleibende Lücke hinterlassen.

Wenn es etwa wegen der musikalischen Umgebung (z. B. Schulorchester) notwendig ist, mit der „1. Griffart“ zu beginnen und als nächste die „2. Griffart“ zu lernen, dann könnte man etwa folgenden Weg wählen: GM 1b mit Seite 64 beenden und dann in GM 2 bei Kapitel 7 beginnen, dann weiter mit: 8-3-8-9-10-11-12-13 und dann vielleicht entlang der Folge 13-10-7-6-5… zur „3. Griffart“ zu wandern. (Weiter z. B. 5-4-3-8-9-14)

Nicht sinnvoll wäre die Reihenfolge 3, 7 und 11, denn der „diagonale“ Wechsel, erschwert es, die dahinterstehende Theorie zu verfolgen.

Durch die Anordnung nach Tonarten und damit die größere Durchmischung der „Griffarten“ sind die Schüler nicht so stark an diese gebunden. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, können die Schüler beide Stimmen der vielen Duos in GM 2 spielen, eine Bereicherung für das Ensemblerepertoire.

Mit Kapitel 14 ist man dort angekommen, wo die Pianisten quasi beginnen: man kennt alle Stammtöne (der 1. Lage) und kann von hier aus dem Quintenzirkel folgen. Die Stammtonreihe kriegt auch für die Geige eine Bedeutung.

Hier befindet man sich am Angelpunkt der diatonischen Geige, von wo aus man die „rechte“ (#-Tonarten, in GM 3) und die „linke“ Seite des Quintenzirkels („b“-Tonarten, in GM 4) erschließen kann. Gleichzeitig beginn hier das systematische Lagenspiel, das ab jetzt (GM 3 und GM 4) Teil jedes Kapitels ist.

GEIGENMUSIK 3

In der Geigenmusik 3 kommen…

GEIGENFITNESS

Für sich allein….